Teil 2 – Geschichte und Theorien von Zeichensystemen

Zeichensysteme der visuellen Kommunikation

Marina Weißfelder

Kommunikationsmodelle:

  • Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver
  • Organon-Modell der Sprache von Karl Bühler
  • Saussures zweigliedriges Zeichenmodell
  • Triadisches Zeichenmodell nach Peirce
  • Erweiterung des Triadischen Modells durch Morris

Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver. Ein bekanntes und auch in der Psychologie als Klassiker viel zitiertes Kommunikationsmodell aus den 1940er Jahren stammt von Claude E. Shannon und Warren Weaver. Der Feder eines Mathematikers und eines Telekommunikationsspezialisten entsprungen, war dieses Modell ursprünglich rein technisch orientiert, zumal es aus der Tradition der Informationstheorie entstand (beide arbeiteten für eine Telefongesellschaft). Das Modell behandelte nicht die Bedeutung der Botschaft, sondern lediglich deren Übertragung und Empfang. Das Ziel des binären mathematischen Modells war die Optimierung der Kommunikation (d.h. die Verminderung von Störeinflüssen) in der technischen Übertragung. Kommunikation bedeutet in diesem nachrichtentechnischen Kontext Austausch bzw. Übertragung von Information (zwischen Systemen). Nach Shannon und Weaver (1949) beinhaltet Kommunikation sechs Elemente.

Nach ihrem Modell besteht jede Art von Kommunikation aus folgenden sechs Elementen
(Sub-Systemen):

1. Quelle/Source. Eine Person oder eine Gruppe von Personen, die aus einem gegebenen Grund bzw. einer Absicht kommunizieren will.

2. Transmitter/Übersender/Encoder. Um die Absicht in Form einer Nachricht auszudrücken, muss sie in einer Art Code formuliert werden. Dies ist die Aufgabe des Transmitters.

3. Nachricht/Message. Alles was kommuniziert wird, ist eine Nachricht.

4. Kanal. Auf dem Kanal wird die Nachricht übertragen. Ein Kanal kann z.B. die Luft sein, auf dem die Schallwellen sich zum Empfänger bewegen. Die Wahl des richtigen Kanals ist sehr wichtig. Ein Gehörloser könnte mit Schallwellen nichts anfangen.

5. Decoder. Der Empfänger braucht ihn, um den vom Transmitter des Senders eingesetzten Code zu entschlüsseln.

6. Empfänger. Eine Person für welche die Nachricht bestimmt ist.

7. Noise/Störungsquelle. Jede Art von unerklärter Veränderung im Kommunikationskanal oder jeder zufällige Fehler bei der Übertragung von Daten mechanischen Ursprungs wird als physikalisches Noise bezeichnet. Obwohl die Kommunikation physikalisch störungsfrei abläuft, kann der Empfänger mit der Nachricht und ihrer Bedeutung manchmal nichts anfangen. Dafür kann es mehrere Gründe geben. Beispielsweise kann der Empfänger abgelenkt sein und nimmt die Nachricht nicht wahr oder er kann den Code (die fremde Sprache) des Senders nicht decodieren.

Organon-Modell der Sprache von Karl Bühler. Bühlers Kommunikationsmodell sagt aus, dass menschliche Sprache ein Werkzeug ist. Er bezeichnete die menschliche Sprache als Organon, sie ist nach seiner Vorstellung ein Mittel oder Instrument. Nachdem das Organon-Modell als Kommunikationsmodell zu verstehen ist, sollte zunächst eine Definition des Ausdrucks „Kommunikation“ relevant sein. Grundsätzlich meint jegliche Art des Informationsaustauschs zwischen mindestens zwei Individuen eine kommunikative Situation, wobei die Art des Austauschs neben verbaler, genauso nonverbaler Natur sein kann, so beispielsweise bei Zeichensprache.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Organon-Modell von Karl Bühler schematisch darstellt, wie eine Person mit einer anderen Person über ein Thema spricht. Dabei wird die Äußerung aufgeteilt in ihren Inhalt und ihren lautlichen Anteil, also den Schall des Wortes.

Die Elemente des Organon-Modells

Sprachliches Zeichen. In der Mitte des Organon-Modells steht das sprachliche Zeichen. Das kann ein Wort oder eine Äußerung sein. Das Zeichen wird noch einmal untergliedert. Einerseits zeigt das Modell das akustische Phänomen, also die Schallwellen im Raum, die durch den Kreis um das Z für „Zeichen“ symbolisiert werden.

Kommunikative Funktion. Andererseits zeigt es auch die kommunikative Funktion des Zeichens, die drei Seiten hat. Diese drei Seiten werden nach außen verknüpft.

Sender. Eine Seite ist der Sender, also die Person, die das Wort oder die Äußerung sagt.

Empfänger. Eine Seite ist der Empfänger, also die Person, die zuhört.

Gegenstände und Sachverhalte. An der oberen Seite des Dreiecks finden Sie „Gegenstände und Sachverhalte“, über die gesprochen wird, also den Inhalt des Wortes oder der Äußerung.

Beziehungen der Elemente zueinander. Die Beziehungen werden durch die parallelen Linien gezeigt, die vom Dreieck ausgehen. Der Sprecher nutzt das sprachliche Zeichen, um damit etwas auszudrücken. Es hat für ihn also eine Ausdrucksfunktion. Der Empfänger oder Zuhörer wird durch diesen Ausdruck zu einer Reaktion aufgefordert. Das kann eine Aktion sein, es kann aber auch das bloße Zuhören sein. Daher hat das sprachliche Zeichen für ihn eine Appellfunktion. Und schließlich dient das sprachliche Zeichen dazu, einen Sachverhalt oder Gegenstand darzustellen, daher ist das obere Linienfeld mit „Darstellung“ beschriftet.

Saussures zweigliedriges Zeichenmodell. Das semiotische Dreieck ist ein in der Sprachwissenschaft und Semiotik verwendetes Modell, durch das veranschaulicht werden soll, dass ein Zeichenträger (Graphem, Syntagma, Symbol) sich nicht direkt und unmittelbar auf einen außersprachlichen Gegenstand bezieht, sondern dieser Bezug nur mittelbar durch die Vermittlung einer Vorstellung/eines Begriffs (Subjektivierung) erfolgt.

In seinem zweigliedrigen Zeichenmodell entwickelte Saussure eine Theorie der Sprache als System von Zeichen (signe) auf der Grundlage einer bilateralen Beziehung von dem sprachlichen Begriff/System (langue) und dem lautbildlichen Sprechen (parole). Das Zeichen steht für die Einheit von Lautbild und Begriff/Inhalt. Die Verbindung zwischen beiden nennt Saussure arbiträr (zufällig/willkürlich).

Triadisches Zeichenmodell nach Peirce. Peirce wollte alle Phänomene, die es in der Umwelt gibt, miteinander in Verbindung setzen. Ein Zeichen ist keine gegebene Sache, sondern entsteht erst im Zeichenprozess durch das Zusammenwirken der drei Komponenten Representamen (Zeichenträger), Referent (Objekt), und Interpretant (Konzept, Vorstellung). Bei der Objektbeziehung kann man unterscheiden zwischen ikonisch, indexikalisch oder symbolisch.

ikonisch: abbildend; verweist auf einen Gegenstand durch die Abbildung von Objekteigenschaften

indexikalisch: hinweisend; Hinweis zu Dingen welche nicht vorhanden sind. (z.B. Rauch verweist auf Feuer).

symbolisch: arbiträr, konventionell; willkürlich, aber vereinbart.

Erweiterung nach Morris. Erweiterung des Modells von Peirce in Richtung Zeichenverhalten. Unterscheidet in Teilbereiche der Semiotik.

Syntaktik: Ein Zeichenträger steht nie allein, sondern immer in Beziehung zu anderen Zeichenträgern.

Semantik: Ein Zeichen steht für etwas anderes.

Pragmatik: Zeichen werden produziert, rezipiert und interpretiert.

Autorin: Marina Weißfelder,
W52 MarketingKommunikation GmbH